Realitätscheck für Juristen: Partner*in kann zwar jede/r werden, aber längst nicht alle!

Viele Jahre hartes Studium, Kämpfen und Anstrengen für Bestnoten. Als Studierende*r der Rechtswissenschaften fühlt man sich mit einem “Vollbefriedigend” dem Gott-Status gleich ein gutes Stück näher. Man wird von Großkanzleien hofiert, meist aus dem Referendariat heraus rekrutiert, und hat den Arbeitsvertrag in der Tasche, bevor man mit dem eigentlichen Studium überhaupt fertig ist. Dann noch nebenbei promovieren und/oder einen LL.M. draufpacken. Alles in allem eine Menge Arbeit für die richtige Karriere, die dann auch honoriert werden soll. Denn schnell locken die Kanzleien mit den tollen Namen und tollen Gehältern. In den Großkanzleien sind 120.000 € als Einstiegsgehalt keine Seltenheit und natürlich auch der rechtmäßige Lohn für all die Mühe, die man seit Jahren in die Karriere gesteckt hat. 

Oft unterschätzt: Mit großen Gehältern kommen große Erwartungen

Was die Meisten am Anfang allerdings unterschätzen, ist die Tatsache, dass auch große und namhafte Kanzleien in aller Regel kein Geld zu verschenken haben: Mit großen Gehältern kommen auch große Erwartungen. Was das bedeutet, lässt sich auch Juristinnen und Juristen, die angeblich nicht so gerne rechnen, recht einfach herleiten. Arbeiten können Sie mit dieser Richtlinie: Nehmen Sie Ihr Gehalt mal drei! 

  1. Das erste Drittel für den Anteil, den Sie selbst verdienen, 
  2. das zweite Drittel für die Nebenkosten und 
  3. das dritte Drittel für den Gewinn der Kanzlei. 

Zwar nur eine grobe Richtlinie, aber ein guter Ausgangspunkt! So lassen sich recht einfach die hohen Billable-Hour-Vorgaben erklären, die bei Großkanzleien Standard sind. 1.800 Billables sind da keine Seltenheit. Und was das wiederum bedeutet, ist auch klar: In Hessen gibt es dieses Jahr 255 Arbeitstage. Ziehen wir davon noch 30 Tage Urlaub ab, bleiben 225 Tage übrig. Und wenn man jetzt 1.800 Billable Hours auf diese Arbeitstage verteilt, kommt man pro Tag auf exakt 8 Stunden, die man den Kunden in Rechnung stellt. Da ist die Kaffeepause genauso wenig drin wie die kurze Recherche zum Sachverhalt. 

Ganz abgesehen von dem außer-juristischen Engagement, das von Anwältinnen und Anwälten erwartet wird: Aufsätze und Veröffentlichungen, Teilnahme an Veranstaltungen, Fortbildungen, um nur einige zu nennen. So kommt es auch dazu, dass eine 65-Stunden-Woche eher der untere Standard für Juristinnen und Juristen in Großkanzleien ist. Das ist der Preis für große Namen, große Mandate und große Gehälter.

Was solche Arbeitszeiten für die oft gewünschte Work-Life-Balance bedeuten, muss man wohl kaum erklären. Wir kennen Anwälte, die sich sogar ihre Zahnbürste online bestellen und ins Büro liefern lassen, da sie zu normalen Öffnungszeiten in keinen Laden kommen. 

Die magische Komponente für das Ziel Partner*in: “Portables Business”

Aber noch viel fataler ist es, dass sich die erbrachten Opfer karrieretechnisch nicht für alle auszahlen. Partner*in kann zwar jeder werden, aber längst nicht alle! Oftmals ist die Konkurrenz um den begehrten Partner-Track unfassbar hoch. Doch was braucht es dann, um Partner*in zu werden? Das Zauberwort heißt “portables Business”. Also eigenes, idealerweise selbst aufgebautes Geschäft, das man im Zweifel auch mitnehmen kann, wenn man einen Wechsel anstrebt. 

Und hier lauert schon das nächste Problem: Ganz oft - besonders in sehr renommierten Kanzleien - hängt das Business am Kanzleinamen und nicht zwingend an der eigenen Person. Wir sprechen täglich mit Menschen, die seit acht bis neun Jahren in Großkanzleien Karriere gemacht haben, jetzt auf Counsel-Level sind, und nun feststellen, dass der Weg hier mehr oder weniger für Sie zu Ende ist. Es gibt eine Partner-Stelle und fünf Counsel, die sich darum streiten dürfen. Die Chancen können Sie sich selbst ausrechnen. Spätestens jetzt kommt die Frage auf, was es draußen für weitere Möglichkeiten gibt. 

Doch Vorsicht! Hier warten weitere Hürden und Probleme: Was wir immer häufiger sehen, sind Counsel in Großkanzleien mit einem Gehalt von über 180.000 €, so gut wie keinem portablem Business, die trotzdem den Anspruch haben, in ihrer nächsten Rolle eine Salary-Partner-Position oder gar eine Partnerrolle anzutreten. Und diese Vorstellung ist in aller Regel mit dem Wunsch verbunden, die eigene Work-Life-Balance etwas mehr in Richtung “Life” zu verschieben. An dieser Stelle müssen wir leider die unpopuläre Aussage treffen: In aller Regel wird das nichts!

Auch als Juristen: Vergessen Sie bei Ihren Karrierewünschen die Opportunitätskosten nicht!

Es ist ganz einfach: Wenn man die Work-Life-Balance optimieren will, geht das nicht bei gleichem (oder gar besserem) Gehalt und besseren Karrierechancen. Ein besseres Gehalt ist auch nicht mit kürzeren Arbeitszeiten und gleichzeitig besserer Karriereperspektive vereinbar. Und letzten Endes ist die bessere Karriereaussicht - meist in etwas kleineren Kanzleien - mit zumindest zeitweiligen Einbußen im Gehalt und auf jeden Fall keiner besseren Work-Life-Balance verbunden. Im Fachjargon nennt man das auch Opportunitätskosten. Es wird einem nichts geschenkt. Alles hat seinen Preis. Um es ganz klar zu sagen: Positionen, in denen man ohne nennenswertes Business (also jenseits der 250.000 € eigenem Geschäft) Salary-Partner wird und gleichzeitig 200.000 € verdient, sind SEHR selten. 

Noch dazu haben gerade die Bewerber*innen aus den TOP-Kanzleien oft die Sorge, dass die eigene Reputation Schaden nimmt, wenn man in eine kleinere Kanzlei wechselt (und kleiner muss nicht zwangsweise “schlechter” bedeuten!) und nicht mindestens eine Stufe auf der Karriereleiter nach oben klettert. 

Wir bei Inveniens kennen diese Sorgen und diese Probleme aus unserer täglichen Arbeit. Und wir kennen sie gleich aus zwei Perspektiven: 

  1. Aus Sicht der Kanzleien, die gerne erfahrene Jurist*innen an Bord nehmen möchten und 
  2. auch seitens der Jurist*innen, die sich nach Alternativen zur aktuellen Position umsehen. 

Wir bringen beide Seiten zusammen, müssen dabei aber auch auf beiden Seiten einen Realitätscheck vornehmen. Dazu gehört die klare Auseinandersetzung damit, was Ihnen als Bewerber*in WIRKLICH wichtig ist. In intensiven Gesprächen gehen wir darauf ein, was gewünscht ist und auch darauf, was möglich bzw. realisierbar ist: 

  • Wir kennen die Kanzleien, die offenen und vor allem auch die nicht ausgeschriebenen Positionen. 
  • Wir wissen, was möglich ist und was nicht. 
  • Wir machen für Sie einen “Markt-Check” und zwar, ohne dass Ihr Name durch die Kanzleiwelt geht und unnötig Aufmerksamkeit erregt.
  • Und wir sprechen auch darüber, wie die Opportunitätskosten aussehen. 

Transparent, offen und ehrlich, auch auf die Gefahr hin, dass wir damit ein paar Vorstellungen korrigieren müssen. Denn nur damit kommen wir dann an dieses gemeinsame  Ziel: Eine Verbesserung Ihrer jetzigen Situation und eine Karriereplanung, die zukunftsfähig ist. Sprechen Sie uns an! Wir freuen uns auf Ihren Kontakt.